Ernährungs-Doc: Eigenmarken im Supermarkt – zu welchen Produkten Dr. Riedl selbst greift

Ernährungs-Doc: Eigenmarken im Supermarkt – zu welchen Produkten Dr. Riedl selbst greift

Wer im Supermarkt einkauft, steht regelmäßig vor der gleichen Frage: Greife ich zur bekannten Marke oder zur günstigeren Eigenmarke des Händlers ? Dr. Matthias Riedl, einer der bekanntesten Ernährungsmediziner Deutschlands und bekannt aus der TV-Sendung „Die Ernährungs-Docs“, hat sich dieser Frage angenommen – und seine Antworten überraschen. Denn für ihn ist der Preis allein kein Qualitätsmerkmal, weder nach oben noch nach unten.

Eigenmarken im supermarkt: was steckt dahinter ?

Definition und marktbedeutung

Eigenmarken, auch als Handelsmarken bezeichnet, sind Produkte, die von Supermärkten oder Discountern unter ihrem eigenen Namen oder einem eigens dafür entwickelten Label vertrieben werden. Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka – nahezu jeder große Händler verfügt über ein umfangreiches Sortiment solcher Produkte. Sie decken heute fast alle Kategorien ab: von Milchprodukten über Tiefkühlkost bis hin zu Bioartikeln und glutenfreien Alternativen.

Ein wachsender marktanteil

Der Anteil von Eigenmarken am deutschen Lebensmittelmarkt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Verbraucher sind zunehmend bereit, auf vertraute Markenlogos zu verzichten, wenn die Qualität stimmt. Diese Entwicklung hat die Hersteller von Markenprodukten unter Druck gesetzt und gleichzeitig den Wettbewerb um Rezepturen und Zutaten verschärft.

Doch was macht eine Eigenmarke aus ernährungsmedizinischer Sicht wirklich empfehlenswert ? Dr. Riedl hat dafür klare Kriterien entwickelt.

Auswahlkriterien von Dr. Riedl

Der blick auf die zutatenliste

Für Dr. Riedl beginnt die Produktbewertung nicht beim Preis, sondern bei der Zutatenliste. Er empfiehlt, diese konsequent zu lesen und auf folgende Punkte zu achten:

  • Wenige, verständliche Zutaten – je kürzer die Liste, desto besser
  • Kein übermäßiger Einsatz von Zusatzstoffen, Aromen oder Konservierungsmitteln
  • Hoher Anteil an echten Lebensmitteln statt industriell verarbeiteter Bestandteile
  • Niedriger Zuckergehalt, insbesondere bei Produkten, die auf den ersten Blick nicht süß wirken

Nährwertangaben als orientierungshilfe

Neben der Zutatenliste spielen die Nährwertangaben eine zentrale Rolle. Dr. Riedl achtet besonders auf den Ballaststoffgehalt, den Proteinanteil sowie den Anteil gesättigter Fettsäuren. Ein Joghurt mit hohem Proteingehalt und ohne Zuckerzusatz ist für ihn beispielsweise einer zuckerreichen Variante einer bekannten Marke klar vorzuziehen – unabhängig vom Etikett.

Diese sachlichen Kriterien führen direkt zu der Frage, welche konkreten Vorteile Eigenmarken gegenüber Markenprodukten bieten können.

Die vorteile von eigenmarkenprodukten

Preis-leistungs-verhältnis im fokus

Der offensichtlichste Vorteil ist der Preis. Eigenmarken sind in der Regel deutlich günstiger als vergleichbare Markenprodukte, oft um 20 bis 40 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass keine aufwendigen Werbekampagnen finanziert werden müssen und die Handelsspannen anders kalkuliert werden. Für Familien oder Menschen mit begrenztem Budget kann dies einen erheblichen Unterschied im Monatsbudget bedeuten.

Zunehmende qualitätsstandards

Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass Eigenmarken qualitativ minderwertig seien. Doch zahlreiche Tests der Stiftung Warentest haben gezeigt, dass viele Handelsmarken in Blindverkostungen und Laboranalysen mit Markenprodukten gleichziehen oder diese sogar übertreffen. Händler haben erkannt, dass schlechte Qualität das Vertrauen der Kunden dauerhaft beschädigt – und investieren entsprechend in die Rezepturentwicklung.

Ob Eigenmarke tatsächlich besser oder schlechter abschneidet, lässt sich jedoch nur im direkten Vergleich beurteilen.

Vergleich mit großen marken

Was marken wirklich verkaufen

Große Marken verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern ein Versprechen: Vertrauen, Tradition, Qualitätskontinuität. Dieses Versprechen hat seinen Preis. Ein erheblicher Teil des Verkaufspreises fließt in Marketing, Verpackungsdesign und Markenpflege – nicht zwingend in bessere Zutaten. Dr. Riedl betont, dass Verbraucher sich davon nicht blenden lassen sollten.

Gleiche fabriken, unterschiedliche etiketten

Ein wenig bekanntes, aber relevantes Phänomen: Viele Eigenmarken werden in denselben Produktionsstätten hergestellt wie die entsprechenden Markenprodukte. Der Hersteller liefert dasselbe Produkt unter zwei verschiedenen Etiketten aus – einmal mit dem Markenlogo, einmal für den Händler. Dies gilt besonders für Milchprodukte, Konserven und Tiefkühlware. Wer das weiß, sieht Eigenmarken mit anderen Augen.

Theorie ist gut, Praxis ist besser. Welche Produkte wählt Dr. Riedl also konkret aus ?

Von Dr. Riedl ausgewählte beispiele

Milchprodukte und hülsenfrüchte

Dr. Riedl greift regelmäßig zu Eigenmarken bei folgenden Produktkategorien:

  • Naturjoghurt ohne Zuckerzusatz aus dem Eigenmarkensortiment – oft identisch mit Markenprodukten in Zusammensetzung und Herkunft
  • Hülsenfrüchte in Dosen wie Kichererbsen oder Linsen – günstig, nährstoffreich und ohne unnötige Zusätze
  • Haferflocken – ein einfaches Produkt, bei dem Eigenmarken qualitativ kaum von Marken zu unterscheiden sind

Produkte, bei denen er kritischer ist

Bei stark verarbeiteten Produkten wie Fertigsoßen, Wurstwaren oder Knabbereien ist Dr. Riedl zurückhaltender – unabhängig davon, ob es sich um eine Eigenmarke oder eine bekannte Marke handelt. Hier überwiegt die Qualität der Zutaten gegenüber dem Markenstatus. Ein Produkt mit langer Zutatenliste und vielen E-Nummern empfiehlt er grundsätzlich nicht, egal welches Etikett es trägt.

Diese Auswahl hat nicht nur geschmackliche, sondern auch gesundheitliche und wirtschaftliche Konsequenzen für den Verbraucher.

Auswirkungen auf die gesundheit und das budget des verbrauchers

Gesundheitliche vorteile einer bewussten wahl

Wer nach den Kriterien von Dr. Riedl einkauft, reduziert automatisch den Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln, überschüssigem Zucker und unnötigen Zusatzstoffen. Dies kann langfristig das Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Gesundheit beginnt beim Einkaufswagen – und nicht erst beim Arzt.

Finanzielle entlastung ohne qualitätsverlust

Eine Familie, die konsequent auf gut ausgewählte Eigenmarken setzt, kann laut Verbraucherberechnungen monatlich zwischen 50 und 150 Euro einsparen – ohne Abstriche bei der Ernährungsqualität machen zu müssen. Dieses eingesparte Geld kann in frisches Obst, Gemüse oder hochwertige tierische Produkte investiert werden, die tatsächlich einen ernährungsphysiologischen Mehrwert bieten.

Die Botschaft von Dr. Riedl ist klar: nicht der Markenname entscheidet über die Qualität eines Lebensmittels, sondern seine Zusammensetzung. Eigenmarken können eine hervorragende Wahl sein – vorausgesetzt, man liest die Zutatenliste und vergleicht die Nährwerte. Wer diesen einfachen Reflex beim Einkaufen entwickelt, trifft bessere Entscheidungen für seine Gesundheit und sein Portemonnaie, ohne auf Qualität verzichten zu müssen.